Montagsfrage – Literarische One Hit Wonder

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Es gibt Bücher, die kann man immer wieder lesen. Es gibt aber auch Bücher, die liest man einmal, findet sie toll – und Jahre später fragt man sich, warum man dieses oder jenes Werk überhaupt gut fand.

Die heutige #Montagsfrage beschäftigt sich mit diesem Phänomen: „Gibt es ein Buch, das dir beim Lesen supergut gefallen hat, von dem du dir aber sicher bist, dass du es inzwischen gar nicht mehr mögen würdest?“

Bei Nina (libromanie.de) war es Twilight.

Ich musste etwas länger überlegen…

Als One Hit Wonder bezeichnet man eigentlich Künstler, die mit einem Produkt (Single, Roman, Ausstellung, Computerspiel, etc.) großen Erfolg haben und später nicht mehr an jenen Erfolg anknüpfen können.

Ich habe mir erlaubt, den Begriff etwas subjektiver auszulegen, also als Definition für ein literarisches Werk, dass für mich (!) irgendwann „der Hit“ war, und es jetzt absolut nicht mehr ist.

Für mich ist das eindeutig die Harry Potter Saga.

Ich habe sämtliche Bände verschlungen – obwohl ich eigentlich schon bei Erscheinen des ersten Bandes zu alt für derartige Jugendliteratur war. Und ich habe das moderne Märchen sehr gemocht.

Vor einigen Monaten habe ich also – die Nostalgie hatte mich mal wieder gepackt – Harry Potter noch einmal aus dem Regal genommen und zu lesen begonnen.

„Krass!“, dachte ich und schüttelte den Kopf. „Warum zum Teufel habe ich das damals so gern gelesen?“

Mir ist nämlich aufgefallen, dass ich sämtliche Charaktere völlig bescheuert finde. Den Verschwörungstheoretiker Harry, den trotteligen Ron, die unausstehliche Besserwisserin Hermine, den arroganten Schulleiter Dumbledore – ach, diese Liste könnte ich endlos fortsetzen.

Wirklich gemocht habe ich nur Severus Snape, der Harry (völlig berechtigt) immer wieder in seine Schranken verwiesen hat. Na ja, Luna fand ich auch knuffig – zumindest wenn sie ihre raren „wachen“ Momente hatte. Im Nachhinein glaube ich, dass Luna die einzige Person war, die nicht ständig aus egoistischen Motiven gelogen hat.

Mrs. Rowling hat definitiv eine tolle Geschichte abgeliefert, aber ich kann heute nicht mehr nachvollziehen, warum mich das ewige Hin- und Her in dem unrealistischen Paralleluniversum so gereizt hat.

Mir fällt gerade auch auf, dass ich tatsächlich die Filme besser als die Bücher fand…